Müssen Manager eigentlich alle Entscheidungen selbst treffen?

Müssen Manager eigentlich alle Entscheidungen selbst treffen?

Die Welt steht vor einer ungeheuren globaler Herausforderung. Unter diesen Bedingungen das Unternehmen sicher aufzustellen und weiterhin profitabel zu wachsen, das ist die Herausforderung der kommenden Jahre und Jahrzehnte.

Viele Manager werden bei Dienstantritt mit Macht ausgestattet. Diese wird ihnen geliehen. Was ist eigentlich „Macht“? „Als Begriff bezeichnet Macht einerseits die Fähigkeit, auf das Verhalten und Denken von Personen und sozialen Gruppen einzuwirken, andererseits die Fähigkeit, Ziele zu erreichen, ohne sich äußeren Ansprüchen unterwerfen zu müssen.“ (Quelle: Wikipedia).Darin stecken absolute Ansprüche von Befehl und Gehorsam. Diese mögen im Militär erfolgreich sein, in sozialen Netzwerken einer jeden Unternehmung funktionieren sie nicht. Weder Prozessanweisungen noch disziplinare Sanktionen bewirken das.

Primus inter pares – Delegation von Verantwortung als Führungsprinzip ist eine bewährte (sehr alte) Methode für Manager, Führungskräfte, Leitende und Leidende im 21. Jahrhundert, für schnelle Entscheidungen und ein wirksames Management.

Durch den römischen Kaiser Augustus (* 23. September 63 v. Chr. als Gaius Octavius in Rom; † 19. August 14 n. Chr. in Nola bei Neapel) wurde der Begriff populär. Er bezeichnete sich als princeps senatus, einen Ersten unter Gleichen. Der Begriff war nicht neu, aber Augustus hat die Möglichkeiten erkannt und konsequent genutzt, für das römische Reich und für sich selbst. In seiner Regierungszeit wandelte sich Rom aus einer Stadt aus Ziegeln in eine Stadt aus Marmor, eine lang anhaltende Friedensphase brach an, die Pax Augusta.

Primus inter pares (weiblich prima inter pares) hilft, eine Brücke zu schlagen, von „Macht“ hin zu „Verantwortung“. Damit wird die Stellung der Führungskraft nicht in Frage gestellt, die Zielerreichung jedoch wirksam unterstützt. Die Führungskraft nimmt sich selbst aus dem Spannungsverhältnis. Die Verantwortung im Team wird glaubhaft gefördert. Im Gleichstand einer Entscheidung geht es verantwortlich weiter, den Rest an Verantwortung, den das Team offenbar nicht tragen kann, übernimmt der Leitende, und er wird nicht zum Leidenden, weil sich nichts bewegt. In Pattsituationen, nur dann, zählt die Stimme der Führungskraft doppelt. Das wissen und akzeptieren die Teammitglieder. Die auf diese Weise herbeigeführte Entscheidung erfährt Akzeptanz und wird nicht als „Basta-Management“ empfunden.

Wirksame Führungskräfte nutzen Primus inter pares und steuern darüber Teams, sie nehmen die Mitarbeiter glaubhaft mit auf einen neuen Weg. Deren Wissen – dieses nicht bilanzierte jedoch unendlich kostbare Kapital – wird in Gruppen dynamisch eingebracht und potenziert sich zum Wohle des Unternehmens. Die Manager entwickeln sich – sportlich formuliert – zu Spielführern. Sie führen und gehen doch zugleich spielerisch mit den Mitarbeitern um. Das Team dankt mit der Anerkennung der Autorität, ohne die Spielführer als autoritär zu empfinden.

Primus inter pares (weiblich prima inter pares) ist eine Strategie, profitables Wachstum in mittelständischen Unternehmen nachhaltig zu sichern. Das Wissen der Mitarbeiter, ihr Engagement und die Bereitschaft zur Übernahme von persönlicher Verantwortung werden nachhaltig gefördert. Alte Machtstrukturen, häufig konflikt- und angstbesetzt, werden dabei überwunden. Es werden Kräfte geweckt, die in allen Menschen stecken.

Primus inter pares (weiblich prima inter pares) wird in der Schifffahrt erfolgreich genutzt. Auch dann, wenn Lotsen an Bord sind, die Verantwortung obliegt dem Kapitän. Besonders bei „rauer See“ bewährt sich die Methode. Jeder Matrose ist auf seinem Platz und weiß, was er zu tun hat. Und das tut er mit voller Kraft, und er entscheidet, alleine. Gegenwärtig befindet sich die Wirtschaft in „rauer See“. Die Globalisierung erfordert eine radikale Umdenke, damit besonders mittelständische Unternehmen nicht von immer neuen „Tsunamis“ weggespült werden. „Kapitäne“ – auch Manager genannt – die in diesen Zeiten immer noch glauben, das Unternehmensschiff nur mit „Macht, Befehl und Gehorsam“ steuern zu müssen, diese „bestraft das Leben“.

Primus inter pares (weiblich prima inter pares) erfordert einen neuen Managertyp, eher Teamplayer, aufgeschlossen, sportlich, mannschaftstauglich und zugleich Visionär, Spielführer halt, mutig, frei von Angst, auch nicht resignierend, wenn einmal ein „Gegentor“ fällt, aber ausgestattet mit klaren und verantwortlichen Vorstellungen für die Unternehmensstrategie. Es ist dieser strategische Ansatz, der den Unterschied ausmacht.

Primus inter pares (weiblich prima inter pares) – das Wichtigste an der Entscheidung ist die Entscheidung. Ohne diesen Grundsatz würde kein Notfallmanagement funktionieren. Wenn in Unternehmen „Notfälle“ eintreten, ob nun temporär oder das Unternehmen insgesamt zum „Notfall“ wird, dann werden Entscheidungen plötzlich kollektiv getroffen, schnell und zielgerichtet, und das mit sichtbarem Erfolg.

Die Frage ist gestellt, warum in Unternehmen nicht grundsätzlich so verfahren wird? Fehlt es gegenwärtig an den visionären Vorstellungen der Manager?

Augustus war ein Visionär. Darum spricht die Welt heute immer noch von ihm, bewundert seine Weitsicht und lobt den Wohlstand seiner Zeit. Viele antike Bauwerke Roms legen heute immer noch ein eindrucksvolles Zeugnis der von Augustus geförderten Epoche ab. Sie erinnern damit auch an sein Verständnis von moderner Führung.

Eigentlich hat Augustus – wir erinnern uns – nur eine bekannte Methode konsequent umgesetzt. Lernen wir von Augustus, Kopieren ist ausdrücklich gestattet, auch heute noch und täglich immer wieder neu.

Was hält uns davon ab, einen Versuch zu starten, den Menschen Verantwortung zu übertragen und ihnen zuzutrauen, Entscheidungen eigenständig und verantwortungsvoll zu treffen?

Heinz LORSE

Posts Carousel

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked with *