Woher kommen unsere Brötchen? – Teil 1

Woher kommen unsere Brötchen? – Teil 1

Was ist uns unser Essen wert?
Der Lebensmittelmarkt in Deutschland ist hart umkämpft. Im Gegensatz zu Ländern wie Frankreich werden hierzulande Lebensmittel vornehmlich über den Preis verkauft. Motto: je billiger, desto besser, dann darf es auch schon einmal etwas mehr sein. Wie groß die Unterschiede zu unserem westlichen Nachbarn sind, lässt sich an den Einkaufsgewohnheiten festmachen. Eine deutsche Familie fährt gern einmal pro Woche zu einem großen Discounter und kauft dort so viele Artikel wie möglich zum vermeintlichen Niedrigpreis ein. Was dann noch fehlt, wird im Laufe der Woche dazugekauft. Viele französische Familien fahren einmal in der Woche in einen der riesigen Supermärkte mit deutlich höherem Preisniveau als in Deutschland und kaufen dort von den qualitativ hochwertigen Lebensmitteln all das ein, was sie benötigen. Der fehlende Rest sind zumeist Frischeprodukte wie Baguettes, die ohnehin täglich oder sogar mehrmals täglich gekauft werden.
Wie reagieren die Produzenten auf die Konsumenten?
Dieses Verbraucherverhalten ist es, was den Herstellern von Lebensmitteln und dem Handel einen enormen Preisdruck beschert. Den gibt es auch in anderen Wirtschaftsbereichen, dort setzt man schon lange auf die Produktionsverlagerung ins billigere Ausland.
Was liegt also näher, als dieses Erfolgsmodell auch auf unsere Brötchen anzuwenden? Wenn man das Statistische Bundesamt zu Rate zieht, dann scheinen die Zahlen die Befürchtungen zu bestätigen. In der Produktgruppe „Zubereitungen aus Getreide. Mehl, Stärke oder Milch, Backwaren“ wurden im Jahre 2011 beachtliche 18.000 t aus China nach Deutschland importiert. Daraus könnten mehr als 280 Millionen Brötchen hergestellt werden. Sogar die Berliner Bäckerinnung behauptete schon im Jahre 2006: ‘Die China-Brötchen werden in sehr großen Betrieben in der Nähe von Shanghai produziert und dann eingefroren. Danach werden sie auf Kühlschiffe verladen und nach zwei Monaten sind sie in Berlin’.
Können wir den Zahlen glauben?
Schaut man sich die Statistik jedoch genauer an, dann bemerkt man, dass es nur eine einzige Untergruppe in der vorgenannten Produktgruppe gibt, die Brötchenteiglinge beinhalten kann: «Mischungen und Teig zum Herstellen von Backwaren». Für 2011 weist die Außenhandelsstatistik in dieser Produktgruppe 240 Tonnen aus. Daraus lassen sich rechnerisch rund drei Millionen Brötchen herstellen – das schafft eine deutsche Großbäckerei in wenigen Tagen. Bei einem bundesweiten Verzehr von rund sechs Millionen Tonnen Brot und Backwaren pro Jahr fallen diese 240 Tonnen nicht ins Gewicht – auch dann nicht, wenn aus ihnen ausschließlich Brötchen gebacken würden. Der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Großbäckereien, Armin Juncker, sagt dazu: «Wer glaubt, mit solchen Behauptungen die Qualität der Produkte von Großbäckereien diskriminieren zu können, der irrt. Die Verbraucher schätzen jedenfalls die Qualität der Produkte – und das beweisen sie jeden Tag».
Fazit
Aus China kommen sie nicht, unsere Brötchen. Daraus allerdings den Schluss zu ziehen, dem Verbraucher würden Produkte aus deutscher Herstellung verkauft, stimmt jedoch auch nicht. Dazu mehr im zweiten Teil meines Reports.
Woher kommen unsere Brötchen? – Teil 2

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