Joseph A. Schumpeter: Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie

Joseph A. Schumpeter: Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie

Ich habe diesen grossen Ökonomen als Student gelesen und fand das Buch wieder, beim Aufräumen meines Kellers.
Joseph A. Schumpeter, “Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie” – dieses Buch ist so aktuell wie zu Schumpeters Zeit, vielleicht noch aktueller.  Und ich empfehle allen in Politik und Wirtschaft es (wieder) zu lesen.
Das sind Schumpeters Thesen:
“1. Der Kapitalismus wird durch eine Art Sozialismus abgelöst werden, aber nicht durch eine sozialistische Revolution, wie dies Marx behauptet hat.
2. Der Kapitalismus hat breiten Schichten Wohlstand gebracht; Verelendung der Arbeiter kann also nicht
das Motiv für den Übergang zum Sozialismus sein.
3. Der Kapitalismus wird vielmehr an seinen eigenen Erfolgen und Leistungen zugrunde gehen.
4. Die permanente Selbsterfindung des Kapitalismus, die “schöpferische Zerstörung”, ist seine Kraftquelle.
5. Innovationen werden aber im reifen Kapitalismus nicht mehr von Unternehmern, sondern von Spezialistengruppen wie Managern und Experten übernommen und verwaltet.
6. So wird der Unternehmer selbst überflüssig. Die Innovationskraft erstarrt und versandet in Büro¬kratie, weil die unternehmerischen Impulse fehlen.
7. Der Kapitalismus zerstört die schützenden Sozial¬und Herrschaftssysteme, sodass sein Zerfall unab¬wendbar ist und er einem lebensfähigen Sozialismus Platz machen wird.
8. Demokratie ist nichts weiter als ein politischer Wettbewerb um Wählerstimmen. Innerhalb des Sozialismus kann er in geordneteren Bahnen ab¬laufen als im Kapitalismus.”
Hat Schumpeter recht? – Ich sehe da viele Übereistimmungen mit der Entwicklung in unserer Zeit. Zum Beispiel das Überhandnehmen vom Experten, Beratern und Managementdienstleistern von denen sich die Vorstände der grossen Konzerne helfen lassen, damit diese Verantwortung abwälzen können, wenn etwas schief ging. Man hat sich ja zuvor beraten lassen. Dasselbe gilt auch für Abgeordnete, Politiker und Ministerialbürokratie. Dort kommen dann noch die Lobbyisten als Einflussnehmer hinzu. Diese schreiben inzwischen schon viele Gesetzentwürfe.
Denn auch hier will es keiner gewesen sein, geht was schief, wie zB die Einnahmenverluste bei Toll collect oder die Abwicklung der Bankenkrise 2007-2009 und deren Folgekosten für die Steuerzahler.
Kann der Sozialismus funktionieren? Es bleibt die Frage: Was kommt nach dem Kapitalismus?
“Die Antwort ist: Ja, ein funktionstüchtiger Sozialismus.
Darunter ist ein System zu verstehen, bei dem die Kontrolle über alle Produktionsmittel und über die wirtschaftliche Produktion selbst aus der privaten Hand an eine staatliche Zentralbehörde abgegeben wird. Einer der größten Vorteile dieser Form des Sozialismus: Die Unregelmäßigkeiten im Wirtschaftskreislauf lassen sich ausmerzen. Es gibt keine Konjunkturkrisen mehr und daher eine solide Planungsbasis für die Wirtschaft.
Überdies lässt sich auch der Arbeitsmarkt stabilisieren.
Wie kommt es aber zu dem Übergang zum Sozialismus? Zwei Möglichkeiten sind denkbar.
Die eine: Ist der Kapitalismus reif für den Umschwung, ist er selbst schon so entartet, dass die Bevölkerung den Sozialismus geradezu herbeisehnt. Der Kapitalismus ist in diesem Fall erstarrt, er stagniert, und Innovationen verlaufen quälend langsam und nach bürokratischen Regeln ab. Der Übergang zum Sozialismus erfolgt dann friedlich und in Eintracht.
Die zweite Möglichkeit: Ist der Kapitalismus noch nicht am Ende und wollen die Sozialisten trotzdem schon den Systemwechsel, wird dies nur mit Hilfe von Gewaltanwendung möglich sein. Die Sowjetunion ist ein Beispiel für ein Land, das den Umschwung gewagt hat, obwohl der Kapitalismus noch nicht reif genug für den Systemwechsel war.
Wie vertragen sich Sozialismus und Demokratie?
Die Antwort: Ausgezeichnet! Das ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn man sich einmal vor Augen hält, was die moderne Demokratie eigentlich bedeutet: ein institutionell abgefederter Machtkampf von Politikern um Wählerstimmen. Ein politischer Wettbewerb. Es wäre eine Illusion, zu glauben, Politiker seien gewissenhaft und fühlten sich dem Volkswillen verpflichtet. Sie erfüllen zwar einige der Wünsche ihrer Wähler, aber eben nur so viele, wie nötig sind, um wieder gewählt zu werden.”
Und genauso funktioniert doch das derzeitige “System MERKEL” – oder?
 

Posts Carousel

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked with *