Der Wettskandal im Fußball – Eine Kommentierung

Der Wettskandal im Fußball – Eine Kommentierung

Die jetzt von Europol aufgedeckten Manipulations- und Korruptionsfälle im internationalen Fußball kommen nicht überraschend und sind auch nicht neu. Korruptionsfälle und Vorwürfe gab es in den vergangenen Jahren viele und diese waren nicht nur auf den internationalen Fußball beschränkt. Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Olympischen Spielen und die seit Jahren andauernden Skandale im Radsport sind hier nur zwei Beispiele.
Aus Sicht von Korruptionsbekämpfern ist dies auch nicht weiter verwunderlich. Der Spitzensport ist seit Jahren ein lukrativer Wirtschaftszweig mit vielen Beteiligten und Milliarden Umsätzen. Die Wahrscheinlichkeit von Korruption und anderen wirtschaftskriminellen Handlungen, ist im Spitzensport ebenso hoch wie in anderen Wirtschaftszweigen auch. Neben den jetzt berichteten Fällen von Wettmanipulation im Fußball, geht es hier unter anderem auch um Korruption im Zusammenhang mit der Vergabe und der Durchführung von Sport-Großereignissen, der Vergabe und dem Handel mit Sportrechten und den Problemen im Zusammenhang mit Business Hospitality.
Bezüglich der Wettmanipulationen im Fußball ist man in Deutschland seit dem Fall Hoyzer im Jahr 2005 und dem Sapina Prozess sensibilisiert. DFB und DFL haben eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die der Korruptionsbekämpfung und Prävention dienen. Nach dem Fall Hoyzer hat der DFB zum Beispiel ein umfassendes Wettverbot in sein Regelwerk aufgenommen. Spielern, Trainern, Funktionären und Schiedsrichtern sind Wetten in Wettbewerben verboten, in denen sie selbst bzw. ihre Mannschaften beteiligt sind. Anbahnungsversuche sind zudem anzeigepflichtig.
Darüber hinaus wurden Schulungs- und Kommunikationskonzepte erarbeitet, die alle Beteiligten – und dies nicht nur in den Top-Ligen – für die Gefährdungslage sensibilisieren sollen.
Seit 2011 hat der DFB einen Anti-Korruptionsbeauftragten. Im Rahmen der Kommission „Nachhaltigkeit“ des DFB wurde 2011 eine Unter-Kommission „Anti-Korruption“ gebildet. Ebenfalls in 2011 setzte die DFL einen Ombudsmann ein, der für Betroffene als unabhängiger Ansprechpartner zur Verfügung steht. In technischer Hinsicht arbeiten DFB und DFL bereits seit 2005 mit der Firma Sportradar zusammen. Sportradar unterstützt DFB und DFL bei der Analyse und der Aufdeckung möglicher Sportwetten bezogener Manipulationen.
Auf internationaler Ebene, auf welcher sich anscheinend die jetzt publizierten Verdachtsfälle vornehmlich abspielten, sind die Maßnahmen bisher noch nicht so konsequent umgesetzt worden, wie in Deutschland. Zwar haben UEFA und FIFA entsprechende Kommissionen eingesetzt und Reformen angekündigt, konkrete Maßnahmen sind jedoch noch nicht erkennbar.
Aber auch in Deutschland sind wir nicht endgültig vor neuen Skandalen gefeit. Zum einen ist eine 100% Unterbindung von Korruption nicht möglich, zum anderen ist Korruptionsprävention ein stetiger Prozess. Nur eine ständige Weiterentwicklung von Anti-Korruptionsmaßnahmen und eine permanente Aufklärung und Sensibilisierung der betroffenen Akteure kann das Risiko von Manipulationen reduzieren.
Die bereits getroffenen Maßnahmen müssen weiter entwickelt werden und die Verantwortlichen müssen auf neue Erkenntnisse reagieren. Insbesondere eine stärkere Transparenz sowie klare Regeln auf nationaler und internationaler Ebene sind hier unabdingbar.

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