„Bonjour Paresse“ – Guten Tag, Müssiggang!

„Bonjour Paresse“ – Guten Tag, Müssiggang!

Die zentrale Aussage des Buches ist, dass niemand mehr an große Unternehmen glaubt. Der Glaube hat die Ritter des Unternehmenskampfes verlassen. Das mittlere Management wartet nur noch auf das eine: das Gehalt am Ende des Monats. Von Motivation und Vision keine Spur. Assaisoniert wird es mit Empfehlungen, wie man unauffällig ineffizient bleiben kann und muss mit der Zielsetzung, sich nun des Unternehmens zu bedienen, nachdem sich das Unternehmen bisher des Individuums bedient hat. Unternehmen sind für die Autorin nicht humanistisch, sie wollen nicht das Wohl des einzelnen, und respektierten auch nicht die Werte, die sie predigen, wie die letzten Finanzskandale und Entlassungspläne zeigen. Sich für einen anonymen Konzern aufzureiben, lohne sich für viele Werktätige nicht mehr. Aber auch nicht, sich aufzulehnen. Wo noch der Kommunismus den Kapitalismus von Aussen angriff, propagiert Corinne Maier nun die die Systemaushöhlung von innen her.

Es ist vorbei mit den Unternehmen, der soziale Aufzug, und damit der Aufstieg, ist blockiert. Diplome sind heute weniger wert als früher, das Rentensystem ist bedroht und die Karriereplanung nicht mehr gesichert. Denn die Unternehmen bieten aus der Sicht der Autorin nicht mehr die Möglichkeit der Zukunftsplanung. Die kommenden Generationen werden noch mehr Diplome besitzen müssen, um Arbeiten, die noch weniger valorisierend sind, übernehmen zu dürfen. Aber wie steht es um die Stichhaltigkeit Ihrer Aussagen? Laut einer in Frankreich durchgeführten Umfrage betrachten sich 17% der befragten Manager als „aktiv desengagiert“. Will heissen, dass ihre Einstellung zu ihrer Arbeit so wenig konstruktiv ist, dass man schon fast von Sabotage reden könnte. Nur 3% der Manager geben an, dass sie sich in ihre Arbeit voll einbringen. Ist dies in Deutschland so viel anders?
Doch was gilt es dagegen zu tun? Die zentrale Empfehlung des Buches ist: „Nichts“, sondern individualistisch und ineffizient zu sein, auf den Zusammenbruch zu warten und auf eine neue Gesellschaft zu warten, in der jeder seinen Gemüsegarten anbaut und nebenbei noch in einem großen Unternehmen arbeitet, um einen kleinen Gehaltszettel zum Überleben entgegenzunehmen.
Eine Beschreibung ist jedoch besonders treffend und traurig: In Unternehmen haben Manager und Angestellte über 50 immer weniger Chancen, und werden gefeuert. In Frankreich arbeitet nur noch ein Drittel der 55-64-jährigen. Das ist Weltrekord. Haben diese Menschen keinen Wert mehr? Dagegen ist dieses Alter in der Politik gerade das, indem man die Zügel der Macht übernimmt.
Die Frage die sich stellt ist die folgende: entweder ist diese Entwicklung falsch und wird zu Lasten der Unternehmen gehen, oder sie ist richtig, und wir haben die falschen Leute in der Politik. Ich glaube lieber, dass die Wirtschaft falsch liegt. Zwar hat meine Sicht der heilen Unternehmenswelt gelitten, doch ich glaube immer noch, dass die Verknüpfung von Veteranen (Erfahrung, Wissen, Netzwerk) und Neueinsteigern (Energie, neue Ideen) wirkliche Synergieb im Intersse der Unternehmen schaffen kann und muss.
Die Lektüre des Buches lässt den Leser, der bereits das „Innere“ eines Unternehmens kennt, perplex. Man kann über mache Beschreibung des Buches lachen, über andere weinen, an dritten verzweifeln. Ohne eine Glut an Wahrheit ist es nicht, gerade das macht dieses Buch für den einen interessant, in den Augen des anderen gefährlich.
 
 

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