Vöhringer – Zulieferer-Riese im Caravan- und Wohnmobilbereich

Vöhringer – Zulieferer-Riese im Caravan- und Wohnmobilbereich

 
Immer einen Schritt voraus” ist ein Motto der Vöhringer GmbH, die 2011 ihr 90-jähriges Bestehen feierte. Das Unternehmen mit Sitz im schwäbischen Trochtelfingen bei Reutlingen gehört zu Europas führenden Zulieferern im Caravanbereich. Zu den Kunden zählen praktisch alle namhaften Caravan- und Reisemobilhersteller in Europa und darüber hinaus. Unter dem Dach der V-Group (Vöhringer-Gruppe) zusammengefasst firmiert auch das hauseigene Designbüro von Martin Ross, das auch im Prototypenbereich tätig ist. Zu ihrem Repertoire gehören auch Wohnwagen-Spezialanfertigungen beispielsweise für die Polizei und Waldarbeiter, hochflexible Hotelausstattungen oder Ideen für komplette Caravans. Vöhringer versucht sich auch in Nischenbereichen zu etablieren, wo es ganz besonders auf Kreativität, Innnovationsfähigkeit und Flexibilität ankommt.
Ernst und Ludwig Vöhringer gründeten die Firma 1921 in Unterhausen am Fuße der Schwäbischen Alb südlich des Stuttgarter Großraums. Hergestellt wurden damals verschiedene Holzwaren, wie Stickrahmen, Stopf-Eier, Bügeleisengriffe oder auch Webstühle. Als die Kunststoffzeit aufkam, waren Kleinteile aus Holz nicht mehr so gefragt.
Eine alte Mostpresse wurde umgebaut und eine Furnierschälmaschine gekauft. Das war etwa um 1952.
In den 60er Jahren hat man mit Sperrholz angefangen. Die Schwerpunkte veränderten sich im Laufe der Jahre von der Herstellung von Sperrholz für die Möbel-und Phonoindustrie über die Gründung eines Exotensägewerks mit Holzhandlung bis zu Produktion von Holzwerkstoffen.
Die zweite Generation der Vöhringers bildeten Hermann, Ernst, Karl und Albert Vöhringer. Drei Brüder stiegen aus oder wechselten das Berufsfeld. Übrig blieb Hermann Vöhringer, der heutige Senior der Firma. Die Firma, wie sie heute besteht, wurde von ihm und von Fritz Banhaf, dem langjährigen Prokuristen, kontinuierlich weiterentwickelt. Da zeigte sich, wozu schwäbischer Unternehmergeist fähig ist. Hermann Vöhringer reiste auf der Suche nach geeigneten Holzlieferanten höchstpersönlich in die Urwälder Südostasiens und erschloss in Indonesien neue Lieferquellen.
Anfang der 70er Jahre gelang mit einem revolutionären 30-Gramm-Japanpapier der Einstieg in die Caravanbranche. Dieses Papier war sehr leicht, wirkte sehr echt und diente als Ersatz für Furnier. Nach der Neugliederung des Unternehmens erfolgte 1985 der Umzug auch dem Echaztal in Unterhausen auf die Alb nach Trochtelfingen, wo mehr Platz zur Verfügung stand, um sich zu entfalten. Das Wagnis fiel ausgerechnet in eine Zeit, als ein deutscher Caravanhersteller und ein französischer Auftragnehmer pleitegingen. Doch Vöhringer überlebte diese harte Zeit.
Anfang 2007 übernahm Vöhringer das Aspacher Familienunternehmen Schröter. Die Schröter GmbH war ein Innenausbauunternehmen und gleichfalls Zulieferer im Caravanbereich, also eine sinnvolle Ergänzung für Vöhringer.
Zwei Jahre später wurde der Standort Engstingen-Haid eingeweiht, etwa acht Kilometer von Trochtelfingen im Gewerbegebiet einer ehemaligen Kaserne.
Für Vöhringer wurde das 200 Meter lange Betriebsgebäude mit seinen Zusatzeinrichtungen die „Halle der kurzen Wege“, wie die beiden Geschäftsführer Jürgen und Thomas Vöhringer sagen, mit viereinhalb Kilometer Lagerkapazität und Platz für Erweiterungen. Von Standort Haid aus werden Caravan- und Wohnmobilhersteller in ganz Europa mit Teilen von Inneneinrichtungen beliefert. Lager und Produktion sind hier unter einem Dach vereint. Die Neubauten auf der Haid erforderten Investitionen von rund 16 Millionen Euro.
Vöhringer ist ständig auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern, zum Beipiel im Möbelbereich mit Hotelausstattungen oder im Yachtbau. Das Unternehmen fasst Fuß im US-Caravanbereich und in China.
Schon 1996 erfolgte die Gründung eines Joint Ventures zur Laminatfußbodenherstellung in Shanghai. Seit 2004 werden in China auch Echtholz-Parkett und komplette Küchen hergestellt.
2013 wird in der Qianggang Industriezone von Schanghai auf einer Gesamtfläche von 140 000 Quadratmetern und über 77 000 Quadratmetern umbauter Fläche neben Laminatfußboden und Echtholzparkett auch Möbel und komplette Kücheneinrichtungen produziert.
Drei bestehende Produktionsstandorte im Raum Shanghai wurden dort an einem Standort zusammengefasst. Das neue Werk hat eine jährliche Kapazität von bis zu 10 Millionen Quadratmetern Laminatfußboden, und zwei Millionen Quadratmetern Echtholzparkett. Außerdem werden hier jährlich bis zu 20 000 Küchengarnituren produziert. Dafür hat das Unternehmen 30 Millionen Euro investiert.
Das Hauptabsatzgebiet für Parkett und Küchen liegt im chinesischen Markt. Etwa zehn Prozent gegen in den übrigen asiatischen Raum. Die inzwischen 1500 Niederlassungen nach dem Franchisingprinzip haben alle eine spezielle und unverkennbare Corporate Identity von Vöhringer.
In Shanghai sind heute 800 bis 1000 Angestellte beschäftigt. Sie erwirtschafteten 2012 einen Umsatz von 70 Millionen Euro. Die Vöhringer GmbH mit etwa 180 Angestellten in Trochtelfingen und Engstingen-Haid kam im Jahr 2012 auf einen Gesamtumsatz von rund 75 Millionen Euro.
Die Vöhringer GmbH will sich in China auch auf dem Markt für Caravan-und Reisemobile etablieren, der sich dort zurzeit öffnet. Vöhringer will sozusagen von der ersten Stunde an als Zulieferer mit von der Partie sein. Dazu Geschäftsführer Jürgen Vöhringer: »Wir planen die Gründung eines neuen Segments als Support für den wachsenden Markt für Camper und Reisemobile von China aus.“ Vöhringer möchte in China eine kleine European Community innerhalb der Vöhringer Wood Ltd in Shanghai etablieren. Studenten und Praktikanten aus Deutschland werden dort mit den örtlichen Gepflogenheiten vertraut gemacht. Ziel sei es laut Jürgen Vöhringer, den Arbeitsstandort in China auch für Mitarbeiter aus Deutschland und Europa attraktiver zu machen.
Der Start in China in den 90er Jahren ist eine eigene Geschichte wert. Über die Furnierherstellung gab es bereits Kontakte nach Asien, und als sich das Reich der Mitte politisch und wirtschaftlich zu öffnen begann, „haben wir eine gebrauchte Presse aus einem Konkurs geholt und eine neue Profilieranlage und dann ging es in Shanghai los“, erzählt Firmensenior Hermann Vöhringer, der Vater von Jürgen und Thomas Vöhringer. Die ersten zwei Jahre war Hermann Vöhringer mehr in China zum Maschinenaufbau als in Deutschland. „Ich habe mir auch immer rund 50 Kilo Verpflegung von hier mitgenommen. Der Schwab braucht eben seine Heimat um sich. Es gab kein gesalzenes Brot. Dann hab ich Rauchfleisch, Salami usw. im Koffer mitgenommen.“ Anfangs war es sehr schwierig. Das höre sich heute alles so einfach an, aber es sei Schwerstarbeit gewesen. „Man hat sich unter die Maschine gelegt und so lange geschraubt, bis endlich alles lief.“ Und das China-Geschäft läuft seitdem für Vöhringer.
Zum Vöhringer-Modell gehört auch eine moderne Mitarbeiterversorgung. So bietet das Unternehmen am Standort Trochtelfingen/Engstingen-Haid seinen Mitarbeitern neben zahlreichen Freizeit- und Sportangeboten in Zusammenarbeit mit der Allianz Private Krankenversicherungs-AG in Deutschland eine betriebliche Zusatzkrankenversicherung an. Dabei übernimmt das Unternehmen die Kosten der betrieblichen Zusatzkrankenversicherung. Sie entspricht einem geldwerten Vorteil von etwa 500 Euro im Jahr. Weil auf einen Risikoprüfung verzichtet wird, steht diese Versicherung auch älteren oder bereits erkrankten Mitarbeitern uneingeschränkt zur Verfügung.
Nach dem katastrophalen allgemeinen Einbruch der Wirtschaft 2009 schaffte es Vöhringer 2010 und danach, sich wieder aus dem Tal herauszuarbeiten. Die Caravan- und Reisemobilbranche ist abhängig von der allgemeinen wirtschaftlichen Lage. Für die Kunden ist es besonders in solche schwierigen Zeiten wichtig, dass sie einen Partner mit der Konzeption und Umsetzung ihrer Produkte betrauen, in den sie vollsten vertrauen haben können. Der Vöhringer GmbH geht es um die langfristige Anbindung der Kunden.
Im Gegensatz zu vielen vergleichbaren Betrieben klappte die Übernahme durch die dritte Generation problemlos. Vor etwa 20 Jahren sagte Hermann Vöhringer zu den beiden Söhnen Jürgen und Thomas, die bereit im Betrieb arbeiteten. „Jungs, ihr kriegt jetzt mal einen Teil der Firma und das hat man sukzessive erweitert.“ Hermann Vöhringer greift nicht mehr ins Geschäft ein, obwohl er noch öfters im Betrieb ist. „Ich halte es für Idiotie, wenn die alten Chefs festhalten, bis sie in die Kiste springen. Diese lassen ihre Nachkommen im Ungewissen, anstatt irgendwann einmal klare Verhältnisse zu schaffen.“
Unter dem Dach der V-Group sind zusammengefasst:
Vöhringer GmbH: Herstellung von beschichteten Plattenwerkstoffen. Konfektionierung und Herstellung von Möbelfronten und Möbelteilen Spezialisiert auf Leichtbau Handel mit Holzwerkstoffplatten Logistikservice. Standort Trochtelfingen
Ross Design: Innovationen und Kreationen für die Firmen der V-Group. Mit den Zielen maximale Gewichtsreduzierung, einfache Montage und praktikablem ansprechenden Design werden Elemente in den Freizeitfahrzeugen kreiert und entwickelt. Von der einfachen Möbelfront bis zur kompletten Gestaltung von Reisemobilinterieur. Design, Entwicklung und Prototypenbau. Standort Zierolshofen/Kehl
Vöhringer wood: Laminatfussboden-Produktion mit hohem Qualiätstandard und neuester Maschinentechnologie. Standort Shanghai
Vöhringer hardwood: Herstellung von Echtholzparkett, Dreischichtparkett und Mehrlagen-Parkett für den gehobenen Anspruch. Herstellung von exklusiven Küchen. Standort Shanghai
S&T: Die Werkbank der Gruppe in Ada/Odzak in Bosnien

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